Buchtipps
5 Buchtipps von Gabriele Reiterer
Autorin, Kunst- und Kulturhistorikerin

Gabriele Reiterer schreibt über Geschichte, Kunst und Menschen – und zwar so, dass aus trockenen Fakten
plötzlich sehr lebendige Geschichten werden. Die Kunst- und Kulturhistorikerin hat zuletzt Anna Plochl neu
entdeckt und räumt dabei ordentlich mit alten Klischees auf. Für die StadtSpionin verrät sie nun ihre fünf
Lieblingsbücher!

Johann Wolfgang Goethe |
„Die Wahlverwandtschaften“
Gabriele Reiterer: Der 1809 erschienene Klassiker begleitet mich durchs Leben. Ein
schöner, intelligenter und eigenwilliger Roman über die Liebe - zeitlos und von unglaublicher Aktualität.
Verlagsinfo: Goethes 1809 erschienener Roman ist ebenso berühmt wie schwer einzuordnen: Das chemische Bild der Wahlverwandtschaften (eine stärkere Säure verdrängt eine schwächere Säure aus ihren Salzen, und es ergeben sich neue Verbindungen) beschreibt das tragische Geschehen um das Paar Charlotte und Eduard. Ihre Ehe zerbricht durch das Hinzukommen von Otto und Ottilie, es bilden sich neue Paare. Das unaufhaltsam tragische Ende erinnert an die griechische Tragödie, die Figur der christlichen Märtyrerin am Ende lässt an die Romantik denken, der strenge Aufbau an Werke der Weimarer Klassik.
Verlag: Diogenes

Nicolas Bouvier | „Die Erfahrung der Welt“
Gabriele Reiterer: Als passionierte Reisende habe ich dieses Buch immer griffbereit. In
den 1950er Jahren fuhren der Maler Thierry Vernet und der Schriftsteller Nicolas Bouvier mit einem Fiat Topolino
von Genf nach Madras – Stationen über den Balkan, Türkei, Iran, Afghanistan, sie waren zwei Jahre unterwegs.
Nicht nur Reiseliteratur vom Feinsten sondern eine Lebensphilosophie.
Verlagsinfo: 1963 erschien "L'Usage du monde", das Erstlingswerk des Genfer Schriftstellers und Fotografen Nicolas Bouvier, in dem er seine legendäre Reise mit dem Maler Thierry Vernet 1953/54 nach Afghanistan beschreibt. „Die Erfahrung der Welt" gehört heute zu den Klassikern der modernen Reiseliteratur. Bouvier und Vernet fahren mit einem Fiat Topolino in sehr gemächlichem Tempo via Balkan, Türkei und Iran nach Afghanistan. Sie nehmen sich viel Zeit für die Entdeckung eines sowohl archaisch wie surreal anmutenden Kulturraums, wobei ihre Erfahrungen und Begegnungen mitunter an ein tragikomisches Welttheater erinnern. So wie sich dieses "langsame Reisen" an die Fremde herantastet, erkundet der Autor geduldig die Welt der Sprache, indem er den Reichtum der Dinge mit demjenigen der Worte zu verbinden versucht. Dabei entstehen atmosphärisch eindringliche Beschreibungen und farbige Porträts, durchdrungen von einem melancholischen Humor.
Verlag: Lenos Verlag
Elizabeth Barret Browning |
„Sonette aus dem Portugiesischen“
Gabriele Reiterer: Die viktorianische Dichterin Elizabeth Barret brennt trotz
ihrer Krankheit mit dem Dichter Robert Browning im Jahr 1846 nach Florenz durch. In Italien wird sie gesund und
glücklich. Ihre Gedichte – noch dazu in der Übersetzung von Rainer Maria Rilke sind Meisterwerke der
Liebeslyrik. Mein antiquarischer Band aus dem Insel Verlag steht auf meiner Küchenzeile, die Tränen auf den
Seiten stammen nicht vom Zwiebelschneiden.
Verlagsinfo: Von wegen Portugal - die bekanntesten Gedichte aus dem viktorianischen Zeitalter stammen von Elizabeth Barrett aus dem kühlen England. Mit 40 Jahren verfasste sie die Sonette an ihren jüngeren Verehrer, Robert Browning, der selbst Poet war, wenn auch weniger bekannt als seine Herzensdame. Eine eheliche Verbindung zwischen den beiden schien lange unwahrscheinlich - doch die Liebe findet ihren Weg.
Verlag: Insel Verlag

Dimitré Dinev | „Zeit der Mutigen“
Gabriele Reiterer: Dimitré ist ein Großmeister der Erzählung. Ich liebe seine
Souveränität, mit der er große narrative Bögen spannt und seinen wunderbaren Humor.
Verlagsinfo: Als das Dienstmädchen Eva am Vorabend des Ersten Weltkriegs ihrem Leben in der Donau ein Ende setzen möchte, wird sie stattdessen in die Arme des jungen Infanterieleutnants Alois Kozusnik gespült. Statt ihres Lebens verliert sie ihre Unschuld. Es ist der Startpunkt einer epischen Geschichte, die sich aus drei großen Erzählsträngen zusammensetzt und sich bis in die heutige Zeit fortspinnt. Was macht den Menschen aus? Wie durchlebt und übersteht er Jahre der Unterdrückung und Gewalt? Wie schafft er es immer wieder, Kraft zu schöpfen, zu hoffen und zu lieben?
Verlag: Kein & Aber
Gabriele Reiterer |
„Anna Plochl Landwirtin - Pionierin - Habsburgerin“
Gabriele Reiterer: Soeben erschienen ist meine Biografie über Anna
Plochl. Anhand ihrer Briefe und Tagebücher aus dem Familienarchiv der Nachkommen zeichne ich Anna Plochls
einzigartigen und faszinierenden Lebensbogen.
Jenseits von Kitsch und Klischee ist ihre Geschichte jene einer
mutigen, tatkräftigen Frau und agrarischen Pionierin. Anna Plochl (1804-1885) steht einzigartig für Habsburgs
andere Weiblichkeit.
Verlagsinfo: Zu Anna Plochl (1804 –1885) gibt es bis dato kaum verbriefte Fakten, sie gilt in Literatur und Film bis heute eher als süße Projektionsfläche – ausnahmslos alle Geschichten über sie enden mit der Heirat mit Erzherzog Johann im Jahr 1829. Gabriele Reiterer erzählt in ihrer Biografie eine ganz andere Anna Plochl: eine jenseits romantischen Kitschs; eine tatkräftige, beeindruckend fähige Frau mit Wirtschaftskompetenz, die zwischen den steirischen Mustergütern und Wien lebt. Anna reitet, schießt, schlachtet, kutschiert bei Nacht allein, hat Zugang zum kaiserlichen Hof, wird dort gleichermaßen akzeptiert wie abgelehnt, führt letztlich eine erstaunlich moderne Beziehung mit Johann und oszilliert zwischen Landwirtin und Aristokratin.
Verlag: Molden Verlag in Verlagsgruppe Styria GmbH & Co. KG
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BISHER ERSCHIENEN


